Die chattende Waschmaschine

7. Mai 2017

Immer mehr Gegenstände in unserem Zuhause sind vernetzt: Bereits jetzt werden Lampen und Steckdosen per App ein- und ausgeschaltet, der interaktive Spiegel zeigt morgens das Wetter an und mein Kopfkissen überträgt Daten über meine Schlafphasen in die Cloud. Doch was ist mit all den Geräten, welche noch nicht im Kommunikationszeitalter angekommen sind? Ein Bericht, wie Bequemlichkeit zu einfachen technischen Lösungen führt und was dies mit Prototyping zu tun hat.

Im Mehrparteienhaus kennt man das Problem: Man schnappt sich den schweren Korb mit Schmutzwäsche und schleppt diesen über mehrere Stockwerke hinweg in den Wäscheraum – nur um dann festzustellen, dass die Waschmaschine bereits besetzt ist.
Hat man Glück und die Waschmaschine ist noch frei, so sorgen anpassungsfähige Wasch- und Trocknungsprogramme dafür, dass die im Voraus angegebene Laufzeit aufgrund Wäsche-Menge oder Feuchtigkeitsgrad nur als (nicht sehr präziser) Richtwert zu verstehen ist.
So findet man sich häufig nach Ablauf der prognostizierten Zeit – bereit zur freudigen Entgegennahme der frisch gewaschenen Wäsche – vor einer immer noch schleudernden Waschmaschine und/oder einem brummenden Trockner wieder. Obwohl die körperliche Aktivität des mehrfachen Treppensteigens durchaus auch positive Aspekte hat, überwiegt der Ärger über die vergeudete Zeit und Energie.

Die Idee
Wie wäre es, wenn die Waschmaschine und/oder der Trockner aktiv kommunizieren würde, ob sie noch in Betrieb ist oder nicht? Neben dem Verhindern der unnötigen Gänge in den Waschraum können Belegungspläne dynamischer gestaltet oder gar überflüssig gemacht werden (endlich keine tagefüllenden Blockaden im Waschplan mehr*). Ein zeitnäheres Entleeren dank aktiver Benachrichtigung führt zu einer effizienteren Nutzung, mehr Komfort und höherer Flexibilität beim Waschen.

* Meine aktuellen Nachbarn sind ausserordentlich rücksichtsvoll – nicht nur in Bezug auf die Nutzung der gemeinsamen Waschmaschine – dennoch weiss ich aus früheren Erfahrungen, dass dem auch anders sein kann.

Die Lösung
Um die in die Jahre gekommene Waschmaschine ohne (W)LAN, Bluetooth oder Mobilfunkoption zum Kommunizieren zu bewegen, braucht es keine teuren Neuanschaffungen oder gar Veränderungen am Gerät - ein (gerne auch älteres) Smartphone reicht: Eine einfache App, welche mit Hilfe der Bewegungssensoren Erschütterungen wahrnimmt, wird auf die Maschine gelegt (vgl. Bild). Nimmt die App über einen konfigurierbaren Zeitraum keine Erschütterung wahr, sendet sie eine Meldung (z.B. in einen Messagingdienst wie Slack).

Prototyping
Diese einfache Lösung ist ein kleiner Helfer im Alltag - ein sogenannter "Life-Hack". Gleichzeitig ist sie ein gutes Beispiel für ein schnelles Prototyping: Stellen Sie sich vor, Sie sind Waschmaschinenhersteller und überlegen sich, eine Kommunikationsfunktion in Ihre neuen Produkte einzubauen um den Benutzer über den fertigen Waschvorgang zu informieren. Bevor Sie viel Geld in die neue Produktlinie investieren, empfiehlt es sich zu prüfen, ob Ihre Idee wirklich so gut ist wie Sie denken!
Sie lassen den oben dargestellten Prototyp mit einem Entwicklungsaufwand eines halben Personentages bauen, verteilen diesen (evtl. inkl. Smartphones) an verschiedene Kundengruppen und lassen diese ihren Waschalltag mit der neuen Funktion begehen. Welche Rückmeldungen erhalten Sie? Haben die Kunden die Funktion überhaupt genutzt? Gibt es Vorschläge für Verbesserungen oder gar neue Ideen? Von Ihrer Idee bis zum Benutzertest und den ersten Feedbacks vergehen wenige Tage, was Ihnen erlaubt, Ihre Idee schnell mit fundierten Erkenntnissen und unter Berücksichtigung der Kundenwünsche weiterzuverfolgen oder zu verwerfen (und sich in letzterem Fall auf neue Ideen zu fokussieren).
Die dargestellte Lösung zeigt: Das WAS ist gegenüber dem WIE viel stärker zu gewichten. Dass es technisch möglich sein wird, ein Netzwerkmodul in eine Waschmaschine zu verbauen steht ausser Zweifel – ob und wie aber die Funktion überhaupt nützlich und vom Kunden gewünscht ist, muss sich zuerst noch weisen.

Feedback
Rückmeldungen zur Idee über Twitter oder E-Mail (oli@breakthebox.ch) sind herzlich willkommen und erwünscht!

Die App (Android) kann bei Bedarf kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Falls Sie tatsächlich Waschmaschinenhersteller sein sollten und Interesse am Prototyp haben, ist eine Kontaktaufnahme selbstverständlich ebenfalls herzlich willkommen! ;-)

Oliver SchmidOli ist bei sich zu Hause für das Waschen zuständig – ist er aber gerade auf eine Aufgabe fokussiert, kann es ihm durchaus entgehen, dass die Waschmaschine schon längst fertig sein müsste.